„Ein lebendiger Abend der Demokratie“ – Fragerunde mit den Direkt-Kandidatinnen und Kandidaten im Kepler-Gymnasium

„Das war ein lebendiger Abend der Demokratie“, freute sich Moderatorin Annette Maria Rieger. Zusammen mit der 16-jährigen Schülerin Laura Korn, die zum ersten Mal wählen darf, führte sie durch einen Diskussionsabend im Foyer des Keplergymnasiums. Viele Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, sich die Kandidatinnen und Kandidaten persönlich anzuschauen. Das Frauennetzwerk, Frauen in den Kreistag und die Frauenhilfe hatten die Idee und auch die Organisation übernommen.

Damit sollten  junge Menschen, vor allem Erstwählern die Chance erhalten, sich über die einzelnen Parteien und ihre Programme zu informieren.  Gleich sieben Kandidatinnen und Kandidaten der CDU, FDS, Grünen, der SPD, Linken, AfD und des BSW stellten sich der Diskussion. Annette Maria Rieger hatte die Zahlen parat: Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg steigt die Quote der Kandidatinnen von 27 auf 31 Prozent, immer noch viel zu wenig. Die beiden Moderatorinnen hatten drei Themenblöcke gebildet: Gleichstellung und Chancengleichheit, Gewalt gegen Frauen, Wirtschaft und Gesundheit. Nicht alle hielten sich an die vorgegebenen Redezeiten, da schritten die beiden Moderatorinnen dann charmant aber nachdrücklich ein. Und wer sich am Thema vorbeimogeln wollte, der wurde unnachgiebig wieder zurückgeholt. Warum junge Menschen überhaupt zur Wahl gehen sollen, diese Frage stellten sich sicher auch viele der Anwesenden.

Für Daniel Belling ist die Antwort klar, es geht schließlich darum die Zukunft zu gestalten. Die Grünen seien aus der Frauenbewegung entstanden, bis heute seien mehr als die Hälfte der Fraktionsmitglieder Frauen. „Wir wollen Frauen auch künftig weiter „empowern“, sie auch für MINT-Fächer begeistern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Und sie sollen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen.
Großen Nachholbedarf sieht Daniel Belling bei der Forschung zur Frauengesundheit. Bisher liege der Schwerpunkt in der medizinischen Forschung auf den Männern mit ihren spezifischen Symptomen, bei Frauen weisen viele Krankheiten dagegen ganz andere Merkmale auf. Da gebe es noch ganz ordentlich Nachholbedarf.

Zum Schutz der Frauen seien die vorhandenen 45 Frauenhäuser im Land nicht ausreichend. Der bereits vorhandene Landesaktionsplan müsse griffiger und finanziell unterlegt werden. Belling wirbt für einen Ausbau von mobilen Schutzangeboten, gleichzeitig müssen auch die personellen Ressourcen gestärkt werden.
Das in Großstädten erprobte Modell der Frauentaxis unterstützt Daniel Belling. Er sieht gute Chancen, an das im Landkreis schon gut integrierte ÖPNV-Taxi anzuknüpfen. Aber er fordert auch auf zu mehr Zivilcourage und schlägt Maßnahmen der Stadtentwicklung vor. Ortsmitten seien entsprechend umzugestalten, freie, überschaubare Plätze, verbunden mit einem Lichtkonzept, könnten die Schutzwirkung für Frauen deutlich erhöhen.
Auch das Thema Gesundheit beschäftigt die Kandidaten. Das Land habe viel für die Krankenhäuser getan, durch das neue Modell des Bundes seien die Fallpauschalen zu Gunsten einer Grundversorgung entfallen. „Dabei geht es auch um das Personal und da sind wir hier mit dem Pflegecampus sehr gut aufgestellt. Für viele medizinische Fachkräfte und Pflegemitarbeitende, auch aus dem Ausland, sind wir hier ein attraktiver Standort, sie kommen gerne in unsere Region. Und wir brauchen sie dringend“, sagte Belling in Richtung AfD gewandt. Das Gesundheitssystem im ländlichen Raum müsse neu gedacht werden. Von präventiv, digital und ambulant bis hin zu stationär müsse es eine viel bessere Verzahnung der einzelnen Angebote vor Ort geben. Nicht immer müsse unbedingt eine Arztpraxis aufgesucht werden, in anderen Ländern gebe es durchaus beachtliche Alternativen.
Um die Altersarmut bei Frauen zu bekämpfen, will Belling die Erwerbsquote bei Frauen erhöhen. Dazu brauche es eine bessere und verlässlichere Kinderbetreuung. Und seine Geschlechtsgenossen sieht der 40-Jährige durchaus auch in der Pflicht, auch Männer dürfen bei der Kinderbetreuung mitmachen oder sich in der Pflege von Familienmitgliedern engagieren. Deutschland habe eine hohe Teilzeitquote, das Recht auf die Entscheidung zur Teilzeitarbeit will Daniel Belling bestehen lassen.
Große Sorgen macht er sich um die mentale Gesundheit der Schülergeneration, die sehr unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten habe. „Da müssen wir Strukturen und Angebote schaffen, um die Jugendlichen mit ihren Sorgen und Ängsten nicht allein zu lassen“.  
Welche Kompetenzen Schule vermitteln soll, das soll nach Ansicht von Daniel Belling eine Enquete-Kommission herausfinden. Auf jeden Fall sollten mehr Alltagskompetenzen vermittelt werden, die ein selbstbestimmtes Leben fördern.

An diesem Abend diskutierten noch mit: Bettina Ahrens-Diez (SPD), Katrin Schindele (CDU), Sabine Frank (BSW), Veit Grünberg (FDP), Yannik Walheim (Die Linke) und Andreas Grammel (AfD). Im Anschluß wurde noch intensiv weiter diskutiert, einige zog es aber auch auf die Empore, wo man sich nach den gut zwei Stunden noch für den Heimweg stärken konnte.

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Verwandte Artikel