am Sonntag, 27. März 2022
Der Grüne Kreisverband Freudenstadt hatte zum Vor-Ort-Termin „Unser Wald im Klimawandel“ eingeladen – eine angenehme Rundwanderung mit Startpunkt Lauferbrunnen.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Grüner Treffpunkt““ war dieses Mal der Treffpunkt sehr grün, sehr sonnig und recht aktiv.
Das Interesse war freundlich bis misstrauisch, die Teilnehmerzahl beträchtlich und die Ausführungen des Försters wurden zwischen den einzelnen Stationen rege diskutiert.

Bereits am ersten Stopp wurde klar: Der Wald, den wir sehen ist wunderschön, aber was kommt?

Der Gastgeber Lutz Weinbrecht, (Förster von Forst BW, in Bad Rippoldsau-Schapach, der sich bei seiner Kollegin bedankte, Wald im Revier Steinwald zeigen zu dürfen) Förster aus Leidenschaft, liebt den Wald, verklärt ihn aber nicht.
Allen Teilnehmern wurde rasch klar, da steht einer, der sieht nicht nur „seinen“ Wald, obwohl dieser ihm natürlich ganz besonders am Herzen liegt.

Beispielsweise für die Jagd zu sein, um die Vielfalt des Waldes zu fördern, ist bei der derzeitigen emotionsgeprägten Diskussion nicht unbedingt populär.
Er verstand es jedoch auch hier ausgezeichnet, den Zusammenhang aufzuzeigen: Nur wenn die seltenen wärmetoleranten Baumarten sich von alleine verjüngen, hat der Wald eine Chance im Klimawandel.
Wälder mit nur einer Baumart, wie der z.B. der Fichte werden in weiteren Dürrejahren große Ausfälle erleiden.
Dabei führte er ein interessantes Beispiel an: Die Baumart Kiefer, die als wärmetolerant und damit als aussichtsreicher Zukunftskandidat gilt, fällt durch die Schwächung aufgrund von Wassermangel im Rheintal plötzlich einem Pilz zum Opfer
Kurz:
Er ist froh, hier im Landkreis Förster zu sein – bei allen Herausforderungen, wie bei zu trockenen Wetterperioden, steht unser Wald hier noch vergleichsweise gut da. „Wir sind vom Regen verwöhnt.“
Das Alter der bewirtschafteten Wälder bei uns im Süden, liegt bei Fichte und Tanne bei 140 bis 170 Jahren, Eichen werden bis 350 Jahre alt. Die Klimaveränderungen kommen schneller. Schon Mitte des Jahrhunderts werden sie deutlich spürbar sein. Damit werden erst kommende Generationen herausfinden können, wie gut unsere FörsterInnen von heute ihre Aufgaben voraussehen konnten.

Dazu gehört die Pflege der jungen Waldbestände zur Förderung seltener Arten, und natürlich Jagen, nur so haben die Bäume gute Chancen, sich artenreich ganz natürlich von alleine zu verjüngen.
Lutz Weinbrecht nahm sich Zeit, auch auf Fragen zu größeren Zusammenhängen mit umfassender Sachkenntnis verständlich einzugehen. Bei der Verarbeitung von Holz sieht er die beste CO2-Bilanz im Bau von Holzhäusern; Holz direkt zu verfeuern sollte eher die Ausnahme sein, wobei es auch hier gute Gegenbeispiele, wie die Weiler Wärme gäbe – zuverlässige Nahwärmenetze mit Kraft-Wärme-Kopplung.
Er verdeutlichte:
„Auf einem Hektar Wald wächst jedes Jahr Holz in einem Volumen von 8 bis 15 m³. In Deutschland wachsen jährlich 120 Mio. Festmeter Holz, davon genutzt werden nur 96 Mio. Es wird also trotz Entnahme nicht weniger, sondern mehr.
Wenn nach 10 Jahren 60 Festmeter genutzt werden, nimmt das Holzvolumen in der Summe immer noch zu. Und es wachsen weiter 8–15 Festmeter im Jahr dazu. Dabei wird das CO2 in Holzhäusern gespeichert, die hoffentlich einige hundert Jahre stehen bleiben. Ohne Zement, der 6-9% unserer CO2-Emissionen verursacht.“
Förster sind es gewohnt, in langen Zeiträumen zu denken.

Gerade der CO2-Zusammenhang ist einfach vermittelbar: Der 6. Sachstandsbericht des Weltklimarates bestätigt, dass die weltweite Durchschnittstemperatur bereits um über 1 Grad Celsius angestiegen ist.
In der vorindustriellen Zeit (um 1850) lag die CO2 Konzentration bei 280 ppm.
Während der letzten 80.0000 Jahre gab es 11 Wechsel zwischen Warm- und Eiszeiten, aber nur Schwankungen zwischen 220 und 280 ppm in der CO2-Konzentration.
Wir sind aktuell allerdings bereits bei 410 ppm.
Die Frage bei der Verabschiedung war eher:
Was können wir sonst noch tun, um unseren Wald zu erhalten?
Unsere Lebensgrundlagen stehen und fallen mit der CO2 Bilanz. Wenn wir nicht in den nächsten 10 Jahren die Kurve bekommen, wird es heiß für uns und die Wälder. Die Antworten kennen wir. Einsparen, ein neues Stromnetz, Windräder und Solaranlagen. Entscheidungen, die weh tun.
Und unsere Wälder – und uns – retten könnten.

Unsere Förster im Kreis Freudenstadt sind hier sicherlich weiter als viele Bürger, die im Falle von Baumfällungen gerne empört den grünen Kreisverband anrufen.
Dieser hat in diesem Fall mittlerweile gerne eine Liste der zuständigen Förster parat.
Lutz Weinbrecht hat jedenfalls mit dieser Führung alles, was er konnte, dafür getan, damit die Teilnehmer ihr kleines Stück zur Bewahrung unserer Wälder beitragen können.
Der kräftige Applaus zum Abschluss war ehrlich verdient.
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