Zu einem informativen Vortrag über das „Stromsystem im Wandel“ kamen zahlreiche interessierte Gäste ins Kinzighaus in Loßburg. Organisiert wurde die Veranstaltung von der BürgerEnergie Nordschwarzwald-Gäu eG und der Gemeinde Loßburg. Marianna Michel, Mitglied der Bürgerenergie Loßburg, begrüßte fast 100 Zuschauer und führte durchs Programm. Auch Bürgermeister Christoph Enderle freute sich über den großen Besucherandrang und versprach niederschwellige Informationen zum Thema „Strom“.
Referent Joseph Michel, Maschinenbauingenieur und in der Energiewirtschaft tätig, hatte seine Ausführungen trotz dieses komplexen Themas möglichst einfach gehalten.
Auf seiner Agenda: Welche Auswirkungen hat der zunehmende Ausbau der erneuerbaren Energien an das Stromnetz? Wie wirkt sich dieser Ausbau auf Netzstrukturen, Preise und Versorgungssicherheit aus? Wie funktioniert heute unser Stromsystem, welche Entwicklungen zeichnen sich ab? Fragen über Fragen, auf die weder einfache noch schnelle Antworten möglich sind.
Einfach dagegen: „Was verbirgt sich hinter der bekannten Maßeinheit Kilowattstunde“? Michel lieferte einige Beispiele gleich selbst, „damit können Sie ein Gerät mit einer Leistung von 1.000 Watt – wie zum Beispiel einen Fön – eine Stunde laufen lassen“, interessant für die Zuhörerinnen. Oder – an die Männer gewandt – sich 2.500 mal rasieren. Oder 50 Stunden am PC arbeiten.
Und wer in unserem Land verbraucht wieviel Strom? Zu je 30 Prozent teilt sich der Verbrauch auf private Haushalte, die Industrie und den Verkehr auf, der Rest wird von Gewerbe, Handel und Dienstleistungen benötigt.
In den privaten Haushalten werde vor allem für Kochen, Kühlen und Spülen, aber auch für die Information und Kommunikation der meiste Strom verbraucht. Im Jahr 1998 wurde der Strommarkt liberalisiert, dabei wurden Erzeugung, Netz und Handel entflochten. Seither kann jeder seinen Versorger selbst wählen.
Im Jahr 2012 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion 23 Prozent, in 2024 waren es bereits 58 Prozent. „Generell schwankt die Stromerzeugung durch die Erneuerbaren mehr“, so Joseph Michel. Während der durch Windkraft erzeugte Strom noch immer ganz überwiegend im Norden der Republik produziert wird, wird er aber vor allem im Süden benötigt.
Und die vielen PV-Anlagen, die bei Sonnenschein alle gleichzeitig Strom ins Netz einspeisen, seien für die Stromversorger eine ganz besondere Herausforderung. Daher sei der Ausbau der Übertragungsnetze entscheidend, die Kosten dafür allerdings hätten die Verbraucher zu tragen. Auch das Thema Batteriespeicher sei noch lange nicht gelöst, aber ebenfalls von überragender Bedeutung.
Auch auf die Digitalisierung der Netze ging Michel ein, auf sogenannte „Smart Grids“, die in Echtzeit Erzeugung, Verbrauch und Speicherung koordinieren können. Für die privaten Haushalte gebe es seit einiger Zeit Smartmeter, also digitale Stromzähler, mit denen der Verbrauch optimiert werden könne. Die seien inzwischen Pflicht für Haushalte mit einem Verbrauch von mehr als 6.000 kWh, mit PV-Anlagen von mehr als 7kW Nennleistung oder mit steuerbaren Wärmepumpen oder Wallboxen.
In der anschließenden Fragestunde zeigte sich, wie wißbegierig, aber auch fachkundig das Publikum an diesem Abend im Kinzighaus war. Eckhardt Huber, ebenfalls von der Bürgerenergie Loßburg, hatte alle Hände voll zu tun, um auch alle Fragenden mit dem Mikrofon zu Wort kommen zu lassen. Und Referent Joseph Michel blieb kaum eine Antwort schuldig.



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