Ein wahrhaft denkwürdiger Abend war das im traditionsreichen Gasthof Waldgericht in Aach an diesem Wahlsonntag. Gut 30 Freunde, Familienangehörige und Mitglieder der Grünen waren zur Wahlparty gekommen – viele Aktive waren zudem noch als Wahlhelfer bis spät eingebunden.
Und mit einem historischen Ergebnis konnten sie am späten Abend nach Hause gehen: Denn zu ersten Mal hat der Landkreis Freudenstadt einen grünen Landtagsabgeordneten. Daniel Belling hat über seinen Listenplatz den Einzug ins Landesparlament geschafft.
Als Belling die ersten Ergebnisse auf der Leinwand sah, verließ er für ein paar Minuten den Saal. „Ich wollte diesen Moment allein genießen, nach den langen Wochen des Wahlkampfs“, erklärte er später. Begonnen hatte der Abend mit einer Sensation, denn pünktlich um 18 Uhr ließen die ersten Hochrechnungen die Anwesenden in lauten Jubel ausbrechen. 31,8 Prozent für die Grünen um Cem Özdemir, gut 2,5 Prozent mehr als die CDU. Damit war klar: der Trend der letzten Wochen hielt an und schob die Grünen auf den letzten Metern an der CDU vorbei. Noch vor einem halben Jahr schien der Rückstand aussichtslos, mit 18 Prozent lagen die Grünen um 14 Prozent hinter Manuel Hagel und der CDU. Mit Beginn des Wahlkampfes wurde dagegen deutlich, dass mit dem Spitzenkandidaten Cem Özdemir und der auf ihn zugeschnittenen Kampagne die Karten noch einmal neu gemischt werden. Die Aufholjagd ging weiter, bis die Umfragen am letzten Donnerstag für beide Parteien jeweils 28 Prozent prognostizierten. Mit einem spannenden Wahlabend war auf jeden Fall zu rechnen.
Und spannend wurde es dann ja tatsächlich noch einmal, denn im Laufe des Abends schmolz der Vorsprung für die Grünen gegenüber der CDU bis auf 0,5 Prozent.
Die Freude über dieses Ergebnis kannte keine Grenzen, schließlich war der Wahlkampf hart und anstrengend gewesen. Bei eisigen Temperaturen auf den Wochenmärkten, an Wahlständen, bei Podiumsdiskussionen, das war ein enormer Kraftakt.
Daniel Belling hat sich da richtig reingehängt und alles gegeben. „Ich habe bestimmt mit gut 2.000 Menschen gesprochen, das war sehr informativ, und ich habe dabei auch sehr viel über mich selbst gelernt“, verrät er im Gespräch. Ganz besonders in Erinnerung ist ihm eine Tour durch Bad Rippoldsau-Schapbach mit Lutz Weinbrecht geblieben. „Wir haben an so vielen Haustüren geklingelt und hatten so viele nette Gespräche, das war beeindruckend“, so Belling. Und so ließ Belling denn auch im Wolftal mit gut 17 Prozent die AfD hinter sich, ein Ergebnis, dass sich manche auch für den gesamten Kreis gewünscht hätten.
Währenddessen freute sich Cem Özdemir bei der Live-Übertragung aus Stuttgart nach den ersten Hochrechnungen über sein großartiges Ergebnis, warnte aber zugleich vor verfrühtem Optimismus, „denn wir in Baden-Württemberg wollen es genau wissen, bevor wir feiern“. Noch einmal betonte Özdemir, daß es ihm um die Interessen des Landes gehe und nicht um die seiner Partei. Seine Bekanntheit, sein Promifaktor und seine Beliebtheit bescherten ihm schlußendlich diesen sensationellen Wahlsieg. Und damit die Möglichkeit, in die Fußstapfen von Winfried Kretschmann zu treten und der erste deutsche Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln zu werden.

















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