Energie. Nachhaltig. Optimieren. Photovoltaik-Veranstaltung am 08.10.2020 im Klostersaal in Horb

Photovoltaik-Veranstaltung stößt auf reges Interesse

Der grüne Kreisverband Freudenstadt hat mit seiner Veranstaltung „Energie. Nachhaltig. Optimieren.“ am 08.10.2020 im Horber Klostersaal offensichtlich ein bestehendes Informationsbedürfnis getroffen.
Der Saal war um 19 Uhr gut besetzt, als Winfried Asprion, der grüne Vorsitzende und Landtagskandidat des Kreises Freudenstadt, die zahlreichen Gäste mit einer Situationsbeschreibung der aktuellen deutschen Energiepolitik begrüßte:
Es gibt 1,6 Millionen Photovoltaikanlagen in Deutschland; nur dadurch wurden alleine schon 24 Millionen Tonnen CO2 vermieden.
Die Förderhöhe für erneuerbare Energien liegt bei 7 Cent/kWh, aber auch Braun- und Steinkohle wird mit 3,7 Cent/kWh und Atomstrom mit 6,5 Cent/kWh aus der EEG-Umlage gefördert.
Dass durch erneuerbare Energien mögliche Klima- und Umweltschäden in Höhe von 8 Milliarden vermieden werden konnten, kommt noch dazu.
47 Cent kostet die Herstellung von 1 kW Atomstrom, Kosten wie Endlagerung sind hier ebenso nicht einberechnet.
4,5 – 11 Cent kostet die Herstellung von 1 kW Solarstrom, die Folgekosten sind eher als marginal zu betrachten.
Dazu kommt: Regenerative Energien schaffen Arbeitsplätze – wenn das Know-How in Deutschland konkurrenzfähig ist.
Winfried Asprions Schluss ist ganz klar:
„Wir fordern weiteren, nachhaltigen Ausbau der erneuerbaren Energien. Und damit auch Photovoltaikpflicht auf allen Gebäuden.“ Dem Einwand, dass damit Bauen verteuert wird, entgegnet er mit dem Argument, dass die Gewinne der Bauträger um 200% gestiegen sind – und die Photovoltaikanlage sich ja ohnehin amortisieren wird.

Nach anerkennendem Beifall stellte Lutz Weinbrecht aus dem Vorstand des grünen Kreisverbands den Referenten Simon Hänel vor, Geschäftsführer der Firma Lizergy aus Freudenstadt, seit über 10 Jahren in der Branche tätig:
Die Firmenphilosophie der Firma Lizergy ist sehr engagiert: „Es muss etwas geändert werden. Jeder kann seinen Beitrag leisten.“

Simon Hänel beschreibt eingangs die derzeitige Lage der Photovoltaik-Entwicklung in Deutschland anhand praktischer Zahlen und seiner eigenen Firma:

2019 kamen nur 7,4% des Stroms aus Photovoltaik-Anlangen – es könnte viel mehr sein. Dabei ist es die günstigste Form, Strom zu erzeugen, da bei Photovoltaik die Entstehungskosten schneller sinken als bei als Windkraft.
Anhand eines Gewerbegebäudes (Firma Lizergy), erstellt in ökologischer Holzständerbauweise mit Photovoltaik-Modulen auf dem Dach für eine volle Eigenstromerzeugung, wird eine energietechnisch 100% autarke Anlage gezeigt. Mittlerweile interessieren sich auch viele Architekten für das Modell.
Stromkostensteigerung spielt damit keine Rolle mehr (z. Zt. jährliche Steigerung um 6%) und der Break-Even (Zeitpunkt, ab dem Gewinn erwirtschaftet werden kann) liegt bei 13,8 Jahren.
Natürlich ist auch eine gute Messdatenerfassung und Planung hier mitverantwortlich – beispielsweise werden sonntags die E-Autos geladen.

Die folgende, lebhafte Fachdiskussion entwickelte sich mit vielen Fragen, die klar und verständlich beantwortet wurden. Themen sind in der Hauptsache die sich stetig vermindernde Einspeisevergütung, die Situation für auslaufende Photovoltaik-Anlagen sowie das Mieterstrommodell.
„Wenn ich eine alte Anlage weiterführen will, und Strom ins Netz einspeise, muss ich eine Zählermiete an den Konzern zahlen von 600 €/Jahr. Das heisst, ich zahle womöglich drauf.”
Hänel benennt die Probleme und Schikanen des derzeitigen EEG-Gesetzes: „Es gibt keine Planungssicherheit in der Branche, viele Gesetze sind überfällig. Die Branche hat 100.000 Arbeitsplätze verloren. 70% der Module kommen heute aus China, in Deutschland werden bestenfalls noch noch Endprodukte gefertigt.
Es ist auf jeden Fall eine Prüfung wert, ob Photovoltaik im eigenen Gebäude wirtschaftlich Sinn macht: In 60-70% aller Fälle ist es schon rein berechnungstechnisch mit Sicherheit lohnend, da die Investition klar zu beziffern ist. Sogar die Ausrichtung des Daches ist nicht unbedingt ein Ausschluss-Faktor.

Sollte kein eigenes Dach zur Verfügung stehen, bieten sich trotzdem gute Investitionsmöglichkeiten an, beispielsweise eine Beteiligung an einer Energiegenossenschaft wie z.B. der Bürger-Energie Schwarzwald mit etwa 200 Mitgliedern. Die Organisation investiert in Solarparks und in Mietmodelle und erzielt eine Rendite, die besser ist als die derzeitige Situation auf dem Sparbuch.

Das größte Hindernis für eine erfolgreiche Photovoltaik-Verbreitung ist derzeit leider der Gesetzgeber auf Bundesebene. Daher erfolgte hier eine klare Empfehlung, eine Politik zu wählen, die Rahmenbedingungen ändert, Ausbauziele deutlich erhöht sowie das bereits bestehende EU-Recht schnell in deutsches Recht umwandelt.
Das Fazit des Abends fiel daher nicht schwer: Photovoltaik ist eine Kreislaufwirtschaft, wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll. Trotz Versagen der Politik auf Bundesebene sind private und unternehmerische Investitionen in Photovoltaik in einer großen Anzahl von Fällen definitiv lohnenswert.

Wir haben die gesamte Veranstaltung aufgezeichnet – bei Interesse bitte kurz per Mail den Link anfordern – herzlichen Dank!

Hier vorab die Begrüßung der Anwesenden von Winfried Asprion:

Begrüßung und Einführung seitens
Winfried Asprion

Und hier das Presseecho des Schwarzwälder Boten dazu:
https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-a-n-strom-vom-eigenen-dach-am-billigsten.425ca180-8573-4743-af45-47311b87f587.html

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